Béres Iván
Er ist am 6. Juni 1941 geboren. Er war vor der Revolution ein Lehrling, später hat er in der Corvin Gasse gekämpft. Nach der Revolution ist er bei der Anklage billig abgekommen, später arbeitete er als Gerber und nachher als LKW Führer.
Ich hörte Schüsse aus der Richtung Museumring. Ich konnte in die Toreinfahrt des Hauses hinter dem Kaufhaus „Verseny“ fliehen. Von dort aus konnte ich sehen, wie die Leute in den weißen Umhängen auf einem Lastwagen in die Richtung des Museums fahren. Die Russen schossen den armen Kerl aus dem Wagen, dass er aus dem Wagen taumelte. Ob er ein Arzt war oder nicht, weiß ich nicht, aber er hatte einen weißen Umhang an, und an der Seite des Wagens war ein großes rotes Kreuz zu sehen. Der LKW musste halten, da die russischen Panzer rollten aus dem Museumring aus und fuhren die Rákóczi Straße entlang. Panzer! In diesem Fall konnte auch der Hinkefuß laufen, wie man das nicht denken würde! In kürzester Zeit war die Rákóczi Straße leer.


Es begann unheimlich große Schießerei. Ich wusste einfach nicht, was das ist. Revolution? Ich bin nicht auf den Gedanken gekommen.
Sobald die Schießerei zu Ende war, sah ich neben dem Kaufhaus „Verseny“ einen ZIL LKW *. Der erste Reifen davon war auf dem Bürgersteig. Ein russischer Soldat lag daneben. Auf dem Boden lag ein Karabiner. Ich ging hin. Ich weiß nicht, wem das Gewehr gehörte, weil es nicht Russisch, sondern ungarisch war. Ich nahm es auf und kuckte, ob es Kugel hat. Als ich es spannte, ist eine Kugel sofort herausgeplatzt. Der Soldat, der verwundet auf dem Bürgersteig lag, sah mich bleich an. Seine Augen waren halb geöffnet. Er sah das Gewehr in meiner Hand. Er sah mich an und hob die Hand, aber nur eine seiner Hände konnte er heben. Ich habe ihn nicht erschossen, weil wir keine Verwundeten erschießen. Was mit dem russischen Soldaten später passiert ist, weiß ich nicht. Das Gewehr behielt ich.
Die Revolution wurde niedergeschlagen, und Exekutivgruppen** bildeten sich. Im dritten Haus von uns wohnte ein Mitschüler von mir. Ich erblickte einmal seinen Vater in dem Exekutivgruppenuniform. Ich fragte den Jungen: - Du, was ist passiert, wurde dein Vater ein Gefolgsmann von Kádár? - Meine Familie hatte Angst um mich, da jeder in der Nachbarschaft wusste, dass ich in der Revolution beteiligt war, aber es geschah nichts. In den siebziger Jahren ging in der Siedlung auf der Füredi Straße der Vater meines Mitschülers. Ich begrüße ihn: - Grüße, Onkel Garamvölgyi! - Es begann schon zu dämmern. Grüß dich - - sagt er - Ivan, bist du es? Kannst du dich noch daran erinnern, als du Laci gesagt hast, dass dein Vater ein Gefolgsmann von Kádár wurde? Du sollst es wissen, dass ich dich vor Verhaftung gerettet habe. Von der Liste habe ich, der Gefolgsmann von Kádár, deinen Namen gelöscht.- Und warum er mich gerettet hat? Meine Großmutter hat Unterwäsche genäht. In den fünfziger Jahren hat sie eine Menge Hemde für den Herrn Garamvölgyi genäht, da er zu dem Zeitpunkt beim dem Rat*** arbeitete, und er brauchte eine Reihe von weißen Hemden. Vielleicht kann ich ihm verdanken, dass ich davonkommen konnte, und jetzt hier sitzen kann.
* Die "ZIL" ist eine sowjetische LKW-Marke.
** Exekutivgruppen sind nach der Revolution aus den ehemaligen Geheimpolizisten, Polizisten und Soldaten zustande gekommen, als eine Art bewegliche und flexible paramilitärische Organisation.
***Das "Rat" ist die lokale Verwaltungsbehörde der sozialistischen Regierung.
