Bük János
Er ist am 13. Dezember 1938 in Budapest geboren. Vor der Revolution war er ein Technikerassistent, später Mitglied der bewaffneten Gruppe am Széna Platz. Im November 1956 wurde er von den Soweten verhaftet und für vier Monate in die Sowjetunion deportiert. Nach der Heimkehr wurde er ein halbes Jahr lang in Kistarcsa festgehalten. Später hat er sich mit Handel beschäftigt, er hat auf dem Markt Waren verkauft.
Mein Großvater war ein Straßenbahnführer. Als er zwischen zwei Stationen einen Naturstein anblickte, hielt er, holte er ihn vom Boden, stellte ihn neben die Füssen, und als die Schicht zu Ende war, nahm er ihn mit in dem Rucksack und baute ihn in sein kleines Haus ein. Und dieses Haus wurde ihm weggenommen. Vielleicht deshalb nahm ich mit Waffen an der Revolution teil. Auf dem Weg nach Hause aus dem Betrieb sagten meine Kollegen: - Junge, du bist ein junger Mann, und jetzt gibt es Ärger, bleib auf der Hut in der Fabrik! - Ich blieb zwei Tage lang, aber meine Eltern wussten nicht, wo ich bin. Am 25. bin ich zu Fuß Richtung Széna Platz * gegangen- Ich traf die Jungs aus Óbuda. - Komm mit uns! - sagten sie. So kam ich auch auf den Széna Platz, und wurde dem Onkel Szabó** vorgestellt, der mir gesagt hat: -. Ich habe auch ein Gewehr bekommen, man hat mir auch gezeigt, wie es zu benutzen ist.


Mein Junge, das ist kein Spiel! Überlege, wenn du uns anschließen möchtest!
- Ich nahm das Angebot an, ich habe einen Waffen bekommen. Sie zeigten, wie es zu benutzen ist. Dann habe ich das Gewehr in eine Ecke gestellt, und ging nach Hause, meldete ich mich bei meinen Eltern und dann kam ich zurück. Ich blieb bis zum 4. November mit den Jungs aus dem Széna Platz.
Dann kam ein russischer Wagen, wir wurden darauf abgeliefert und zwar nach Ócsa. Wir wurden von russischen Soldaten umgeben. Einer nach dem anderen von uns wurde in einem Militär LKW zum Verhör mitgenommen. Milizionäre haben übersetzt. Dann wurden wir an einer abgelegenen Strecke in einen Viehwaggon gelagert und nach Uschhorod *** abgeliefert. Unser ganzer Körper wurde enthaart, unsere Kleidung wurde desinfiziert. Tag und Nacht wurden die Vernehmungen durchgeführt. Wir waren in dem städtischen Gefängnis untergebracht. Dann ein paar von uns wurden zu der polnischen Grenze nach Sztrizs mitgenommen, wo derselbe Prozess wurde fortgesetzt. Wir waren eine Zeit lang mit russischen Soldaten untergebracht, die an die Seite der Revolution übertraten. Wir tranken Tee, aßen flechsige Gurkensuppe und Kohlsuppe, zum Frühstück bekamen wir Hering, eine Zigarette und zwei Stück Würfelzucker. Ich tauschte die Zigarette gegen ein Stück Würfelzucker, weil ich nicht rauchte.
Ich biss die Hälfte des Würfelzuckers ab und aß den Fisch dazu.
Es gab einige, die Gelbsucht bekamen, weil der Hering ihnen so ekelig war. Diese Fische waren in hohen Holzkübeln aufbewahrt. Viehsalz, Fischkorb, wieder Salz. Damals wurden schon direkt bei den Vereinten Nationen mitgeteilt, dass junge Menschen in die Sowjetunion gebracht werden, und so wurden wir auf UN-Druck schließlich nach Hause gestohlen. Nicht "nach Hause gebracht", sondern "nach Hause gestohlen". Ich konnte damals 17 Jahre alt sein.
* Der Széna Platz war ein Zentrum der bewaffneten Rebellierenden in Buda, wo sie in den Gebäuden der zu bauenden U-Bahn eingezogen sind. Da neben dem Platz befand sich der große Verkehrszentrum von dem Moszkva Platz, sowie die Burghügel und die Berge von Buda auch in der Nähe lagen, hatte der Széna Platz eine strategische Rolle in der Revolution.
** János Szabó (Onkel Szabó) war der Kommandant der bürgerlichen Rebellierenden auf dem Széna Platz. Nach dem Niederschlag der Revolution wurde er unter den ersten hingerichtet.
*** Uschhorod – die größte Stadt in West - Ukraine, nicht weit von der Grenze zu Ungarn.
